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Ernährung bei Essstörungen

Essstörungen sind psychische Erkrankungen, bei denen Gedanken und Gefühle rund ums Essen einen übergroßen Platz einnehmen. Das führt oft zu Stress, Angst und starren Verhaltensmustern.
Unsere Ernährungsberatung zielt darauf ab, die Versorgung des Körpers zu sichern, Essenssituationen zu entlasten und Schritt für Schritt einen flexiblen, alltagstauglichen Umgang mit Lebensmitteln aufzubauen – in enger Abstimmung mit Ihrer ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlung.

Im Präventionszentrum Dr. Bezugla arbeiten wir interdisziplinär und erstellen für Sie einen personalisierten Ernährungsplan nach dem Prinzip „Sicherheit zuerst“. Dabei berücksichtigen wir:

  • eine vorliegende ärztliche Diagnose (z. B. Anorexie, Bulimie, Binge-Eating);

  • Ihre Essgewohnheiten und Lebenssituation;

  • vorhandene Stoffwechsel-/Laborwerte (sofern bereits erhoben);

  • Hinweise auf mögliche Mikro- und Makronährstoffdefizite (medizinische Abklärung erfolgt ärztlich);

  • ggf. Hormonstatus (sofern vorhanden/ärztlich erhoben);

  • Informationen aus der psychotherapeutischen Behandlung – mit Ihrem Einverständnis und in Abstimmung mit dem Behandlungsteam.

Sicherheits-Hinweis: Bei akutem Risiko (z. B. starkes Untergewicht, Synkopen, Elektrolytstörungen, Suizidgedanken) ist sofortige medizinische/klinische Behandlung erforderlich.

Häufige Essstörungen und typische Anzeichen

питание при расстройстве пищевого поведения

Anorexia nervosa (AN)

  • Starkes Kaloriendefizit, ausgeprägte Gewichtsabnahme

  • Intensive Angst vor Gewichtszunahme, verzerrte Körperwahrnehmung

  • Zwanghafte Kontrolle: Kalorien zählen, exzessives Wiegen/Bewegen

  • Ausbleiben/Unregelmäßigkeit der Menstruation, Frieren, Müdigkeit

Bulimia nervosa (BN)

  • Wiederholte Essanfälle mit Kontrollverlust

  • Kompensationsverhalten: Erbrechen, Abführmittel, Fasten, übermäßiger Sport

  • Starke Scham/Geheimhaltung, Gewicht oft im Normbereich

  • Mögliche Halsschmerzen, Zahnschäden, Elektrolytstörungen

Binge-Eating-Störung (BES)

  • Wiederkehrende, große Essmengen in kurzer Zeit

  • Gefühl des Kontrollverlusts, schnelles/heimliches Essen

  • Ausgeprägte Scham, Schuldgefühle, keine regelmäßigen Kompensationen

  • Häufig Gewichtsschwankungen

ARFID (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder)

  • Anhaltend eingeschränkte Lebensmittelauswahl/Meiden ohne Körperbildfokus

  • Gewichtsverlust, Nährstoffmängel oder soziale Beeinträchtigung durch Essen

  • Häufig sensorische Empfindlichkeiten, Angst vor Würgen/Erbrechen

Weitere problematische Muster (keine formale Diagnose):
Orthorexie/„sauberes Essen“, exzessive Diätregeln, ständiges Kalorienzählen, moralische Bewertung von Lebensmitteln.

Hinweis zur Sicherheit
Bei Anzeichen wie Ohnmacht, starkem Untergewicht, Herz-/Elektrolytproblemen oder Suizidgedanken: sofort ärztliche/klinische Hilfe.

Was tun, wenn Sie Anzeichen einer Essstörung bemerken?

Ольга Безуглая

Wichtig ist ein gemeinsames Vorgehen von Ernährungsberatung und Psychotherapie. Dieses Tandem erzielt die besten, alltagstauglichen Ergebnisse.

  1. Ernährungsberatung: Analyse von Essalltag und Versorgung, Erstellung eines realistischen, ausgewogenen Plans, der Unter- und Überessen vorbeugt und mögliche Nährstoffdefizite berücksichtigt (ärztliche Abklärung nach Bedarf).

  2. Psychotherapie: Arbeit an auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren – Gedanken, Gefühlen und Verhaltensmustern rund ums Essen.

Erfolgsfaktoren

  • Regelmäßige Struktur (z. B. 3 Mahlzeiten + 2–3 Snacks)

  • Sanfte Steigerung der Energiezufuhr, schrittweise Erweiterung der Lebensmittelauswahl

  • Alltagstaugliche Planung von Portionsgrößen, Timing und Esssituationen

  • Chronische Erkrankungen/Medikamente werden im ärztlichen Setting mitberücksichtigt

Je früher Sie Unterstützung annehmen, desto leichter lässt sich der Alltag stabilisieren.
Wir begleiten Sie wertschätzend und sicher – in Berlin-Moabit und online.

Welche Anzeichen können auftreten?

Die folgenden Hinweise dienen der Orientierung und ersetzen keine Diagnose.

  • aufdringliche Gedanken um Gewicht, Kalorien und Körperbild

  • starkes Einschränken von Lebensmitteln bzw. ganze Lebensmittelgruppen

  • Essanfälle oder das Gefühl, die Kontrolle über das Essen zu verlieren

  • selbstinduziertes Erbrechen oder Fehlgebrauch von Abführ- bzw. Entwässerungsmitteln

  • übermäßige körperliche Aktivität als Kompensation

  • Rückzug oder Unbehagen in sozialen Situationen, in denen gegessen wird

Hinweis: Bei Bulimie können eine regelmäßige Mahlzeitenstruktur und ein alltagstauglicher Plan (in Behandlungskontext) helfen, Rückfälle zu reduzieren.


Wie entstehen Essstörungen?

Essstörungen sind multifaktoriell bedingt – sie entstehen aus dem Zusammenspiel biologischer, psychologischer und soziokultureller Faktoren. Eine genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen, ist jedoch nicht allein entscheidend. Umgebung und Lebenserfahrungen sind ebenso bedeutsam.

Mögliche Risiko- und Auslösefaktoren:

  • Kritik an Körper oder Gewicht

  • harte Behandlung/Traumata in Kindheit oder Jugend

  • Verinnerlichung von Schlankheitsidealen (Medien/Soziales Umfeld)

  • Tätigkeiten/Sparten mit Gewichtsdruck (z. B. Tanz, Turnen, bestimmte Sportarten)

  • Stressereignisse (z. B. Mobbing, große Veränderungen) – besonders in sensiblen Phasen wie der Pubertät

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